Als der Ruder-Club Holzminden gegründet wurde, waren gerade einmal drei Jahre seit dem Ende des zweiten Weltkrieges vergangen. Die Folgen einer unseligen Vergangenheit waren nach wie vor zu spüren; noch gab es keine stabile Währung und damit keine geordneten wirtschaftlichen Verhältnisse.
Die Menschen im Nachkriegs-Deutschland hatten allerdings die Hoffnung, sich die Zukunft in Freiheit selbst zu gestalten. Es gehörte schon viel Optimismus und Tatkraft dazu, neben der eigenen Existenz auch den Sport in unserem Lande wieder aufzubauen.
Die Initiative, in Holzminden einen Ruder-Club zu gründen, ging Anfang 1948 von Wilhelm Padel aus, einem „alten“ Ruderer aus Fürstenberg an der Oder, der in der Sollingstadt eine neue Heimat gefunden hatte. Zusammen mit Kurt Wiegand, einer weithin bekannten Persönlichkeit Holzmindens, gelang es, zahlreiche Freunde für die in Holzminden neue Sportart zu gewinnen.
Mit Überzeugung und Tatkraft konnten die Vorbereitungen zur Gründung eines Ruder-Clubs bald abgeschlossen werden. Im April versammelte sich erstmals eine Gruppe von dreizehn Herren, um sich mit dem Rudern auf der Weser gemeinsam zu befassen.
Aus dieser Gruppe wurde ein Arbeitskreis gebildet, der sich mit der Erstellung eines Bootshauses, der Bereitstellung von Bootsmaterial und letztlich mit den Vorbereitungen zur Gründung des ersten Holzmindener Ruder-Clubs beschäftigen sollte. In der Folgezeit fanden jede Woche Sitzungen und Besichtigungen bei benachbarten Vereinen statt. Ständig waren neue Schwierigkeiten zu überwinden.
Die Verkehrsmöglichkeiten waren äußerst beschränkt, die Militärregierung und die eingesetzte deutsche Verwaltung mussten ständig konsultiert werden, behördliche Genehmigungen waren einzuholen etc.
Dann war es endlich soweit: An der Gründungsversammlung am 2. Mai 1948 nahmen insgesamt 26 Herren teil, die eine Satzung beschlossen und einen Vorstand wählten.
Mit diesem Wahlakt war der Ruder-Club Holzminden jedoch noch nicht in die große Gemeinschaft der Rudervereine und in den Kreis der Sportvereine aufgenommen.
Bei der Beantragung der erforderlichen Genehmigungen und der Anmeldung des geschäftsführenden Vorstandes beim Amtsgericht stellte die englische Militärregierung fest, dass einige der Vorstands-Mitglieder nicht so gründlich entnazifiziert waren, wie es den Vorschriften entsprach. Die Folge war, dass der gewählte Vorstand von den Behörden geschlossen abgelehnt wurde.
Die Wiederholungswahl fand am 18. Juni 1948 statt, bei der dann nach dem Dekret der Militärregierung nur Personen gewählt werden durften, die im Rahmen der Entnazifizierung in Stufe 5 eingestuft waren. Darüber hinaus musste der eingesetzte Bürgermeister die politische Loyalität jedes einzelnen Vorstandsmitgliedes schriftlich bestätigen.
Unter Berücksichtigung dieser strengen Kriterien wählte die erneut einberufene Versammlung dann einen vierköpfigen Vorstand mit W. Schenk als Vorsitzenden und R. Hill als Stellvertreter. Dieser Vorstand wurde von den Militärbehörden genehmigt.
Kurz nach der Vereinsgründung werden auch die ersten beiden Boote – zwei Blech-Einer – bestellt und am 29. August 1948 getauft. Das eine Boot heißt „Erstling“, das andere Boot, ein Privatboot, erhält den Namen „Oderhort“. Dass durch Beziehungen von W. Padel fünf paar Skulls von einer Berliner Werft geliefert und mittels Kompensationsgeschäft abgerechnet werden, mutet wie ein Wunder an. Immerhin, der Anfang für ein Rudern auf der Weser war gemacht.
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